Elisabeth Kübler-Ross Der Tod ist ein schönes Ereignis von Franz Alt Elisabeth Kübler-Ross 1926 - 2004 Sie   war   die   bekannteste   lebende   Schweizerin   und   mit   23   Ehrendoktor-Titeln   die   wissenschaftlich   am   meisten ausgezeichnete   Frau   der   Welt.   Ihre   größte   Lebensleistung   ist,   dass   sie   weltweit   Tod   und   Sterben   enttabuisiert oder   -   wie   sie   selber   sagte,   „aus   der   Toilette   geholt"   hat.   Ihre   22   Bücher   zum   Thema   Sterben   sind   in   25 Sprachen übersetzt. Ich   hatte   Elisabeth   Kübler-Ross   erstmals   vor   fünf   Jahren   mit   meinem   Fernsehteam   in   ihrem   abgelegenen   Haus in   der   Wüste   von   Arizona   bei   Phoenix   besucht.   Die   Frau   hatte   Hunderte   von   Sterbenden   in   ihren   Armen gehalten. „Wenn   Sie   unanständige   Fragen   stellen,   bekommen   Sie   einen   Karateschlag",   drohte   sie   zur   Begrüßung   und ballte   die   schwach   gewordene   Faust.   Sie   war   einmal   für   2000   Sterbehospize   in   den   USA   verantwortlich.   Dass heute   Zehntausende   Sterbende   auf   der   ganzen   Welt   menschenwürdig   betreut   sich   auf   das   Sterben   vorbereiten können, ist ihr Verdienst. „Da   gab   es   große   Fortschritte   in   den   letzten   30   -   40   Jahren"   meint   sie   auch   ein   wenig   stolz.   „Damals   hat   man mit    den    Sterbenden    gar    nicht    über    das    Sterben    geredet.    Man    hat    sie    abgeschoben    und    nicht    einmal ausreichend   Schmerzmittel   gegeben.   Dies   ist   heute   anders   und   besser."   Wer   heute   in   Ruhe   und   Frieden sterben   möchte,   kann   sich   an   ein   Hospiz   wenden.   Auch   in   Deutschland.   „Sie   bekommen   in   jedem   Hospital ausreichend   Schmerzmittel,   ohne   dabei   doof   zu   werden.   Sie   können   in   einem   Hospiz   oder   auch   zu   Hause sterben. Endlich gibt es eine freie Wahl, wie ich heute sterben will." Geehrt   wurde   sie   weltweit   wegen   ihrer Arbeit   mit   Sterbenden.   Was   sie   jedoch   über   die   Zeit   nach   dem Tod   sagte und   schrieb,   brachte   ihr   viel   Unverständnis   und   Feindschaft   ein:   „Der   Tod   ist   eine   beglückende   Erfahrung.   Es gibt   gar   keinen   Tod.   Der   so   genannte   Tod   ist   ein   Übergang   in   eine   andere   Dimension",   bekräftigt   sie.   „Was   ist ein Übergang?", will ich wissen. Glaubt sie wirklich daran? „Ich   glaube   gar   nichts.   Ich   weiß."   Darauf   besteht   sie   als   Wissenschaftlerin   immer   wieder.   „Sind   Sie   ganz sicher?"   „Hundertprozentig,   hundertprozentig.   Ich   habe   auch   eigene   Nahtod-Erlebnisse."   Über   solche   Themen scherze sie nicht, meint sie lachend. Niemand   sterbe   allein,   sagte,   schrieb   und   lehrte   Elisabeth   Kübler-Ross   40   Jahre   lang.   Auf   jeden   Sterbenden würden    "drüben"    die    Menschen    warten,    die    ihm    am    nächsten    standen.    „Das    lässt    sich    erforschen.    Viele Sterbende,   die   bereits   einen   Blick   hinüber   werfen   konnten,   aber   wieder   reanimiert   wurden,   haben   mir   das erzählt." Ich bleibe skeptisch. Kann das alles nicht auch eine Täuschung, eine Halluzination sein? Mit   tiefem   Ernst   erzählte   die   Sterbeforscherin   von   ihrer   Arbeit   mit   sterbenden   Kindern   nach   einem   Autounfall. Diese   Kinder   hätten   nicht   wissen   können,   dass   im   Nachbarkrankenhaus   vor   zehn   Minuten   ihr   Bruder   und   ihre Mutter   starben,   die   ebenfalls   schwer   verletzt   worden   waren.   Aber   sie   hätten   ihr   gesagt:   "Frau   Dr.   Ross,   mein Bruder   und   meine   Mutter   warten   schon   auf   mich."   Die   Sterbeforscherin   hatte   diese   Aussagen   der   Kinder   ernst genommen   und   erst   später   erfahren,   dass   Bruder   und   Mutter   tatsächlich   zu   dem   Zeitpunkt   der   Aussage   des sterbenden Kindes schon tot waren. Kann   Elisabeth   Kübler-Ross   durch   ihre   Erlebnisse   mit   Hunderten   von   Sterbenden   und   aus   Tausenden   von Sterbeprotokollen, die sie gesammelt hat, den Moment des Todes näher beschreiben? "Der   Moment   des   Todes   ist   ein   ganz   befreiendes,   schönes   Erlebnis.   Man   löst   sich   von   seinem   körperlichen Körper,   der   vielleicht   im   Bett   liegt.   Man   beobachtet   seinen   Körper   von   oben   ohne   Angst   und   ohne   Schmerzen und   ohne   Heimweh.   Sterbende   haben   Glücksgefühle.   Sie   lösen   sich   von   ihrem   Körper   wie   ein   Schmetterling aus   seinem   Kokon.   Der   Glückszustand   der   Transformation   vom   körperlichen   zum   körperlosen   Zustand   ist unbeschreiblich schön." Die   weit   verbreitete   Angst   vor   dem   Sterben   führt   die   Sterbeforscherin   auf   die   heutige   Angst   vor   dem   Leben zurück. Es gäbe zu wenig Urvertrauen in das Leben. Beim Abschied sagte sie mir: " Ich freue mich auf den Tod. Ich will bald durch die Galaxien tanzen." Ende August starb sie in Phoenix.
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