Palliativmedizin In   Anbetracht   der   Tatsachen   -   hohe   Sterblichkeit   von   Tumorpatienten,   unzureichende   Schmerztherapie   und Symptomkontrolle,    menschenunwürdige    Sterbebedingungen    -    räumt    die    Weltgesundheitsorganisation    der Hospizbewegung und Palliativmedizin höchste Priorität ein. Die WHO definiert die Palliativmedizin wie folgt: ,,Die    Behandlung    von    Patienten    mit    aktiver,    progressiver,    weit    fortgeschrittener    Erkrankung    und    einer begrenzten   Lebenserwartung,   für   die   das   Hauptziel   der   Begleitung   die   Lebensqualität   ist."   Auf   Patienten   mit Tumorerkrankungen übertragen, ergibt sich folgende Umschreibung der Palliativmedizin: Die     Palliativmedizin     widmet     sich     schwerstkranken     Krebspatienten     im     fortgeschrittenen     Stadium     ihrer Tumorerkrankungen,    die    nach    dem    heutigen    Stand    der    Wissenschaft    nicht    mehr    heilbar    sind.    Die Palliativmedizin   kämpft   also   nicht   in   erster   Linie   gegen   die   Tumorerkrankung   selbst,   sondern   gegen   alle   durch sie verursachten Symptome. Dabei nimmt die Schmerztherapie eine zentrale Stellung ein. Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen normalen Prozess; will   den   Tod   weder   beschleunigen   noch   hinauszögern   und   ist   damit   eine   eindeutige   Absage   an   die   aktive Sterbehilfe; sorgt für Schmerzlinderung und Linderung anderer belastender Symptome; integriert die psychischen und spirituellen Bedürfnisse; bietet Unterstützung an, damit das Leben der Patienten bis zum Tod so aktiv wie möglich sein kann; bietet der Familie während der Erkrankung des Patienten aber auch in der Trauerphase Unterstützung an. Die   Palliativmedizin   hat   ihren   Ursprung   in   der   modernen   Hospizbewegung.   Im   Zentrum   der   Hospizbewegung steht    die    Hospiz-Idee.    Diese    strebt    eine    ganzheitliche    Betreuung    und    Begleitung    Schwerstkranker    und Sterbender    an    mit    dem    Ziel,    physisches,    psychisches,    spirituelles    und    soziales    Leiden    zu    lindern.    Die praktische     Umsetzung     der     Hospizidee     erfolgt     ambulant     in     Hausbetreuungs-diensten,     teilstationär     in Tageskliniken    und    stationär    in    Hospizen    oder    auf    Palliativstationen.    Während    Hospize    in    der    Regel eigenständige   Häuser   sind,   sind   Palliativstationen   in   der   Regel   in   ein   Krankenhaus   integriert   oder   einem Krankenhaus angegliedert. Die   erste   Palliativstation   entstand   1975   am   Royal   Victoria-Hospital   in   Montreal   (Kanada).   Die   1983   in   Köln eröffnete   Palliativstation   war   die   erste   Realisierung   der   Hospizidee   in   Deutschland.   Erst   später   (1987)   kam   das erste   Hospiz   in Aachen.   Heute   haben   wir   in   Deutschland   231   Palliativstationen,   179   stationäre   Hospize   und   ca. 1500   unterschiedlich   organisierte   und   unterschiedlich   leistungsfähige   ambulante   Hospizdienste.   Die   Hospiz- Idee   und   die   Palliativmedizin   sind   als   ein   ganzheitliches   Konzept   zu   verstehen,   und   zwar   sowohl   inhaltlich   wie organisatorisch.   In   der   organisatorischen   Konzeption   steht   die   ambulante   palliative   Versorgung   eindeutig   im Vordergrund;    darüber    hinaus    benötigen    wir    aber    stationäre    palliative    Einrich-tungen    zur    kompetenten Betreuung der schwerstkranken Tumorpatienten. Aus     dem     bisher     Gesagten     ergeben     sich     automatisch     die     Aufnahmekriterien     für     Palliativstationen: Aufgenommen   werden   Patienten   mit   fortgeschrittenen   bzw.   inkurablen   Tumorerkrankungen   mit   Symptomen wie   Schmerzen,   anderen   körperlichen   Symptomen   oder   psycho-sozialen   Problemen.   Dabei   gilt   für   die   meisten Patienten   auf   einer   Palliativstation,   dass   die   kausal-therapeutischen   Maßnahmen   bereits   ausgeschöpft   sind. Zur    Verwirklichung    der    Hospiz-Idee    auf    Palliativstationen    brauchen    wir    räumliche,    organisatorische    und personelle    Voraussetzungen.    Zu    den    räumlichen    Voraussetzungen    gehört,    dass    die    Palliativstationen eigenständige   Einheiten   mit   wohnlichem   Charakter   sein   sollten.   Einzelzimmer,   maximal   Zweibettzimmer   mit behindertengerechtem    Bad    haben    sich    für    diese    schwerstkranken    und    sterbenden    Patienten    bewährt. Palliativstationen    sollten    ein    Wohnzimmer    -    ein    Treffpunkt    für    alle    -    mit    Kochgelegenheit    haben    und    für Angehörige eine Möglichkeit zur Unterbringung bieten. Um   die   Arbeit   auf   einer   Palliativstation   leisten   zu   können,   gehört   zu   den   personellen   Voraussetzungen   ein multidisziplinäres     Team.     Die     Palliativstation     benötigt     eine     kompetente     ärztliche     Leitung,     die     zur interdisziplinären    Zusammenarbeit    bereit    sein    muss.    Das    Krankenpflegepersonal    spielt    auf    einer    Pallia- tivstation   eine   herausragende   Rolle   und   benötigt   eine   Weiterbildung   höchster   Qualität.   Um   eine   intensive pflegerische   Umsorge,   Betreuung   und   Begleitung   zu   ermöglichen,   ist   im   Krankenpflegebereich   ein   Stellenplan von   1,4:1   (Krankenpflegepersonal:   Patient)   notwendig.   Das   multidisziplinäre   Team   wird   komplettiert   durch   die Einbindung der psycho-sozialen Berufsgruppen, Physiotherapeuten und Ehrenamtlichen.
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