Warum bin ich Ehrenamtliche(r) in der Hospizbewegung? Im    Sommer    1999    erfuhr    ich    durch    eine    Kollegin    von    der    Hospizbewegung    und    der    seit    1995    in    Soest bestehenden   Gruppe.   Die   Kollegin   gab   mir   den   Rat,   dort   um   Hilfe   zu   bitten,   wenn   ich   mit   der   Begleitung   meines unheilbar kranken Mannes überfordert sei. Ich   dankte   für   den   Hinweis,   wollte   ihn   aber   auf   keinen   Fall   umsetzen.   Fremde   am   Bett   meines   Mannes?   Nein, ich war mir sicher: „Das schaffe ich alles allein!“ Genau mit dieser Einstellung gehen viele Menschen dieses Thema noch heute an. In   den   letzten   Lebenstagen   meines   Mannes   -   er   war   zum   Sterben   nach   Hause   entlassen   worden   -   geriet   ich   an meine    Grenzen.    Ich    bestand    nur    noch    aus   Angst    und    Sorge.    Mir    war    klar,    dass    nicht    er    die    Hilfe    der Hospizbewegung   benötigte,   sondern   ich.   Und   so   rief   ich   bei   dem   damaligen   ersten   Vorsitzenden,   Herrn   Pastor Sprenger,   an.   Dieser   benachrichtigte   die   Koordinatorin,   Frau   Osthoff,   und   eine   Stunde   nach   meinem   Anruf stand   sie   vor   meiner   Tür.   Sie   kümmerte   sich   sofort   um   zusätzliche   Lagerungskissen   für   meinen   Mann   und sorgte    dafür,    dass    zwei    Ehrenamtliche    abwechselnd    nachts    in    meiner    Wohnung    sein    würden.    Dieses belastende Alleinsein entfiel. Ich wusste: „Da ist jemand und ich kann ihn fragen, wenn ich unsicher bin!“ Mein   Mann   verstarb   in   der   zweiten   Nacht,   und   ich   beschloss   schon   damals,   wenn   ich   dazu   in   der   Lage   sein würde,   diese   erhaltene   Hilfe   weiterzugeben.   Sofort   nach   der   Beisetzung   meines   Mannes   wurde   ich   Mitglied   in der    Hospizgruppe.    Das    bedeutete    aber    nicht,    dass    ich    sofort    dort    auch    als    ehrenamtliche    Mitarbeiterin Sterbende begleiten wollte und schon gar nicht, dass ich das konnte. Es    dauerte    etwa    ein    Jahr,    bis    ich    an    einem    Grundkurs    teilnahm,    der    mir    nicht    nur    theoretisches Hintergrundwissen   vermittelte,   sondern   im   Verlauf   dessen   ich   mir   auch   klar   wurde,   ob   ich   zu   dieser   Arbeit überhaupt   befähigt   war.   Ein   weiterer   Kurs   „Spirituelle   Sterbebegleitung“   (Dr.   Gabriel   Looser)   vertiefte   mein Wissen und brachte zusätzliche Aspekte ein. Seit   10   Jahren   nun   sitze   ich   immer   wieder   an   Sterbebetten   oder   begleite   die   Kranken   schon   gewisse   Zeit vorher.   Ein   mehrwöchiges   Praktikum   in   einem   stationären   Hospiz   zeigte   mir   den Alltag   in   solch   einem   Haus   und gab mir die Gelegenheit, einen vollen Arbeitstag lang mit den Gästen dort zusammen zu sein. Familie und Freunde können mit meiner Tätigkeit nicht gut umgehen: 1.  „Du belastest Dich nur!“ 2.  „Immer dieses traurige Umfeld!“ 3.  „Tu mal etwas für Dich!“ Diese   Argumente,   so   verständlich   sie   auch   sind   aus   der   Sicht   von   Menschen,   die   dem   Hospizgedanken gegenüber reserviert sind, kann ich entkräften. 1.   Selbstverständlich   kann   unsere Arbeit   belastend   sein.   Immer   aber   haben   wir Ansprechpartner,   mit   denen   wir über   das,   was   uns   belastet   oder   bewegt,   auch   sprechen   können;   die   uns   auffangen   und   unterstützen.   Nur oberflächlich   betrachtet   kann   man   das   Umfeld   als   „traurig“   bezeichnen:   Natürlich   gibt   es   Fröhlicheres   als   ein Krankenhaus, ein Altenheim, ein Krankenbett, ein Sterbebett, aber wir dürfen nie vergessen - und 2.   verdrängen   es   doch   zu   oft:   Das   Leben   ist   endlich!   Der Tod   gehört   zum   Leben   und   im   Sterben   geschieht   oft   so viel   Schönes,   Kostbares.   Wir   müssen   nur   lernen,   die Angst   vor   dem   Prozess   des   Sterbens   zu   verlieren,   um   all das auch sehen zu können. 3. In jeder Begleitung tue ich auch etwas für mich! Da   gibt   es   Begleitungen,   die   geprägt   sind   von   großer   Stille:   ich   muss   einfach   nur   DA   -   SEIN!   In   dieser   Stille kann   ich,   wenn   ich   mit   dem   Herzen   sehe,   vieles   beobachten,   kann   manchmal   auch   teilnehmen   an   dem   Weg, den der Sterbende geht und kann ihm auch stumm vermitteln: „Ich bin bei Ihnen! Sie sind nicht allein!“. In   anderen   Begleitungen   wird   viel   gesprochen:   Ich   kann   mich   an   viele   gute   Gespräche   erinnern,   keine   langen, oft   nur   kurze   Sätze,   auf   die   man   reagiert.   In   manchem   Satz,   den   man   nicht   sofort   einordnen   zu   können   scheint, liegt eine Botschaft. Da muss ich mit dem Herzen hören. Auch   das   Lachen   kommt   nicht   zu   kurz.   Ich   erinnere   mich   an   eine   Begleitung,   die   über   Monate   lief   und   einen heiteren   Grundton   hatte.   Sicher,   auch   hier   gab   es   Talfahrten,   aber   die   Heiterkeit,   die   Gelassenheit   überwogen und   waren   sogar   in   der   letzten   Stunde   noch   spürbar.   Aus   vollem   Herzen   lachen   können,   über   manches schmunzeln und doch ernsthaft nachdenken, damit tue ich auch so viel für mich. Mit   dem   Herzen   hören,   mit   dem   Herzen   sehen,   mit   ganzem   Herzen   bei   dem   sein,   den   ich   begleite!   Das   sind kostbare    Momente,    die    all    die    Kraft,    die    man    abgibt,    wieder    erneuert.    Dafür    habe    ich    als    ehrenamtliche Begleiterin all denen zu danken, die ich begleiten durfte und noch begleiten darf. Warum bin ich Ehrenamtliche in der Hospizbewegung? "Ich bin ehrenamtlich für den Hospizverein tätig, weil mich   der   Übergang   von   Leben   und   Tod,   von   Erde   und   Himmel   fasziniert   und   ich   bei      einer   Begleitung   ein bisschen daran teilhaben kann. die wesentlichen Dinge, die essentiellen Dinge zum Vorschein kommen. ich   weiß,   wie   wohltuend   eine   Unterstützung   auch   für   Angehörige   in   solchen   Ausnahmesituationen   sein kann. der   Prozess   jedes   Mal   anders   und   individuell   abläuft.   Ich   bin   offen   interessiert   an   Menschen,   an   meinem jeweiligen Gegenüber."
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