Geh nicht vor mir her
Ich könnte dir nicht folgen
Denn ich suche meinen eigenen Weg

Geh nicht hinter mir her
Ich bin gewiss kein Leiter
Bitte bleib an meiner Seite
Und sei nichts als ein Freund
Und - mein Begleiter

Albert Camus

Der Gedanke des Gemeinsinnes, das Leben von Solidarität und das Übernehmen von Mitverantwortung sind zentrale Werte in unserer Gesellschaft, und so kann man sagen, dass alle Ehrenamtlichen gemeinsam an einem großen Netz arbeiten. Einen Teil dieses Netzes bilden die Frauen und Männer, die ehrenamtlich in der Hospizbewegung arbeiten. Mittlerweile sind es Tausende von Männern und Frauen, die sich in der Hospizbewegung engagieren. Sie begleiten Schwerstkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt. Ohne diese Ehrenamtlichen wäre es nicht möglich, diesen Teil unseres Lebensweges lebenswert zu gestalten.

Es sind die Ehrenamtlichen, die das Fundament der Hospizarbeit darstellen.

Der Einsatz der Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit ist eine Bürgerbewegung, die aus England stammt. Wer das Leben als einen Weg sieht, wird wissen, dass Menschen gerade auf dem letzten Wegabschnitt dankbar für eine Begleitung sind, und so waren es überwiegend Frauen, die ambulante Gruppen bildeten und sich um Schwerstkranke und Sterbende kümmerten.

Das Ehrenamt in der Hospizarbeit unterscheidet sich aber durchaus von anderen ehrenamtlichen Arbeiten. Hier kann es sein, dass es manchmal über einen längeren Zeitraum keine Anfrage um Hilfe gibt. Kommt sie jedoch, muss man eventuell kurzfristig „einsatzbereit“ sein. Von einem Ehrenamtlichen der Hospizbewegung muss man u.U. auch eine zeitliche Beweglichkeit erwarten.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen steht immer zwischen zwei Polen. Folgendes „Bild“ kann das verdeutlichen:

E  Einlassen können und das eigene Sterben im Blick haben: „endlich leben“
H  Halt geben können, aber sich auch selbst gehalten wissen
R  reflexionsfähig sein, aber auch offen für ein Feedback durch Andere
E  Einsamkeit aushalten können, aber auch über Kraftquellen verfügen
N  Nähe zulassen und spüren lassen und doch Distanz halten
A  Achtung vor jedem wahren und sich doch auch eigene Grenzen eingestehen
M  Mut haben, loszulassen und sich wieder auf neue Situationen einzustellen
T  Trauer zulassen und doch das Leben bejahen

Menschen führen ihr Leben unterschiedlich und beenden es auch unterschiedlich. Jedes Sterben birgt ein Geheimnis und darauf sollten Ehrenamtliche mit großer Einfühlung und auch mit Liebe reagieren können. In dem Moment, in dem der Sterbende Angst entwickelt, in dem er vielleicht Fragen hat, sollte er nicht allein sein. Ehrenamtliche sollten mit dem Herzen zuhören, sollten Ängste mit aushalten können.

Ehrenamtliche der Hospizbewegung übernehmen aber auch noch andere Aufgaben

Sie stehen Angehörigen und Pflegenden als Gesprächspartner zur Verfügung.

Sie können Mittragende werden und auch nach dem Tod der/des Kranken sich weiter um die Hinterbliebenen kümmern.

Sie erledigen auch mal Einkäufe und übernehmen Hol- oder Bringdienste, helfen auch auf Bitten im Haushalt, sind aber weder Pflegekräfte noch Hausangestellte.

Sie übernehmen Verwaltungsaufgaben für den Hospizverein und kümmern sich, wenn nötig, um Presseaufgaben.

Sie leiten Trauergespräche oder Trauercafés.

Für all diese Arbeiten sind Rahmenbedingungen zu erfüllen. Jede/Jeder Ehrenamtliche in der Hospizbewegung wird in Grund- und Aufbaukursen auf die Aufgaben vorbereitet. Wichtig zu wissen ist, dass

nicht Überorganisation, Überqualifikation und Überreflexion das Ziel dieser Seminare sind, sondern die Bodenständigkeit, die Lebendigkeit, die Herzlichkeit und die Unmittelbarkeit in der Begegnung mit den Betroffenen.

Immer wieder gibt es weiterführende Seminare und selbstverständlich sind regelmäßige Supervisionssitzungen. Hier werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst begleitet und haben Zeit und Raum für Reflexion und Austausch.

»Begleiten heißt: mitgehen, zuhören können, annehmen, die andere Person in ihrer Befindlichkeit ernst nehmen, Spannungen aushalten, Zweifel und Ängste teilen, Hoffnungen stärken, die eigene Hilflosigkeit zulassen, schweigen und ...«
(Pater Werner Pieper, München)

Wir brauchen zur Begleitung Mut,
aber nicht das Vermögen,
alles zu wissen und zu können!