„Lange saßen sie dort und hatten es schwer.
Aber sie hatten es gemeinsam schwer.
Das war ein Trost.
Leicht war es trotzdem nicht

…das war ein Trost."

aus: Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren

In der Trauer ist es hilfreich, Menschen zu begegnen, die verstehen, was Trauer bedeutet. Der geschützte Rahmen des Trauertreffs bietet die Möglichkeit, sich auszutauschen. Sie finden Menschen, die sich gegenseitig mit ihren Erfahrungen in der Trauer stützen und helfen können.

Machen Sie sich auf den Weg, Sie sind herzlich willkommen!

 Der offene Trauertreff ist ein angeleitetes Gesprächsangebot des ambulanten Hospizdienstes Soest e.V. für Menschen nach einem Verlust. Trauertreff ist an jedem 1. und 3. Freitag eines jeden Monats (Pause im Juli, August, September) von 17.00 Uhr bis 18.30 Uhr im Erdgeschoss der Jakobistraße 44 a in Soest.

 Die Termine 2019:

4. Januar und 18. Januar
1. Februar und 15. Februar
1. März und 15. März
5. April
3. Mai und 17. Mai
7. Juni und 21. Juni
20. September
4. Oktober und 18. Oktober
15. November
6. Dezember und 20. Dezember

Märchen

Hier einige Märchen, die sich mit Tod und Trauer befassen:

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

Der Tod und der Gänsehirt

Der kalifornische Mönch

Der Tod und der Gänsehirt

 


Von der traurigen Traurigkeit

Es war einmal eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Menschen. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: „Wer bist du?“ Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. „Ich? Ich bin die Traurigkeit“, flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war. „Ach, die Traurigkeit!“, rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. „Du kennst mich?“, fragte die Traurigkeit misstrauisch. „Natürlich kenne ich dich! Immer wieder hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“ „Ja, aber…..“, argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?“ „Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtenden einholst! Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?“

„Ich…..ich bin traurig“, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine Frau setzte sich zu ihr. „Traurig bist du also“, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Erzähl mir doch, was dich bedrückt.“ Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht! „Ach, weißt du“, begann sie zögernd und äußerst verwundert, „es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest!“

Die Traurigkeit schluckte schwer. „Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen.
Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter! Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot.
Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht! Und dann bekommen sie Herzschmerzen.
Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen! Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken.
Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen! Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe.

Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.“ „O ja“, bestätigte die alte Frau, „solche Menschen sind mir schon oft begegnet.“ Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. „Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen! Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.“

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. „Wie weich und sanft sie sich anfühlt“, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. „Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, „ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.“

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin. „Aber…..aber – wer bist eigentlich du?“ „Ich?“ sagte die kleine alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen.
„Ich bin die Hoffnung.“

Inge Wuthe
Aus: „Farben der Sehnsucht“
Heinz Körner Verlag


Der kalifornische Mönch

Könnte ich mein Leben nochmals leben, dann würde ich das nächste Mal versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde mich entspannen und lockerer und humorvoller sein als dieses Mal. Ich kenne nur sehr wenige Dinge, die ich ernst nehmen würde. Ich würde mehr verreisen und ein bisschen verrückter sein.

Ich würde mehr Berge erklimmen, mehr Flüsse durchschwimmen und mir mehr Sonnenuntergänge anschauen. Ich würde mehr spazieren gehen und mir alles besser ansehen. Ich würde öfter Eis essen und weniger Bohnen.

Ich hätte mehr echte Schwierigkeiten und weniger eingebildete.
Müsste ich es noch einmal machen, ich würde einfach versuchen, immer nur einen Augenblick nach dem anderen zu leben, anstatt jeden Tag schon viele Jahre im Voraus. Ich gehörte immer zu denen, die nie ohne Thermometer, Wärmflasche, Gurgelwasser, Regenmantel und Aspirin aus dem Haus gingen. Könnte ich noch einmal von vorn anfangen, würde ich viel herumkommen, viele Dinge tun und mit wenig Gepäck reisen. Könnte ich mein Leben nochmals leben, würde ich im Frühjahr früher und im Herbst länger barfuß gehen. Und ich würde öfter die Schule schwänzen.

Ich würde mir nicht so hohe Stellungen erarbeiten, es sei denn, ich käme zufällig daran. Auf dem Rummelplatz würde ich mehr Fahrten machen, und ich würde mehr Gänseblümchen pflücken. Aber sehen Sie - ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.

dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borge (1899- 1987) zugeschrieben


Der Tod und der Gänsehirt

Einmal kam der Tod über den Fluss, wo die Welt beginnt. Dort lebte ein armer Hirt, der eine Herde weißer Gänse hütete. „Du weißt, wer ich bin, Kamerad?“ fragte der Tod. „Ich weiß, du bist der Tod, ich habe dich auf der anderen Seite hinter dem Fluss oft gesehen.“ „Du weißt, dass ich hier bin, um dich zu holen und dich mitzunehmen auf die andere Seite des Flusses?“ „Ich weiß. Aber das wird noch lange sein!“

„Oder wird nicht lange sein! Sag, fürchtest du dich nicht?“ „Nein“, sagte der Hirt. „Ich habe immer über den Fluss geschaut, seit ich hier bin. Ich weiß, wie es dort ist.“ „Gibt es nichts, was du mitnehmen möchtest?“ „Nichts, denn ich habe nichts.“ „Nichts, worauf du hier noch wartest?“ „Nichts, denn ich warte auf nichts.“ „Dann werde ich jetzt weitergehen und dich auf dem Rückweg holen. Brauchst du noch etwas, wünscht du dir noch was?“ „Brauche nichts, hab alles“, sagte der Hirt. „Ich habe eine Hose und ein Hemd und ein paar Winterschuhe und eine Mütze. Ich kann Flöte spielen, das macht lustig. Meine Gänse verstehen nicht viel von Musik.“

Als dann der Tod nach langer Zeit wiederkam, gingen viele hinter ihm her, die er mitgebracht hatte, um sie über den Fluss zu führen.

Da war ein Reicher dabei, ein Geizhals, der Zeit seines Lebens wertvolles und wertloses Zeug an sich gerafft hatte: Klamotten, auch Gold und Aktien und fünf Häuser mit etlichen Etagen. Der Mann jammerte und zeterte: „Noch fünf Jahre hätte ich gebraucht, und ich hätte noch fünf Häuser mehr gehabt! So ein Unglück, so ein Unglück, verfluchtes!“ Das war schlimm für ihn.

Ein Rennfahrer war unter ihnen, der Zeit seines Lebens trainiert hatte, um den großen Preis zu gewinnen. Fünf Minuten hätte er noch gebraucht bis zum Sieg. Da erwischte ihn der Tod.

Ein Berühmter war dabei, dem ein Orden gefehlt hatte, nur ein einziger Orden, für den er Jahre aufgewendet hatte. Da holte ihn der Bruder Tod. Das war schlimm für ihn.

Dann war da ein junger Mensch, der hatte an seiner Braut gehangen, denn sie waren ein Liebespaar gewesen, und keiner konnte ohne den anderen leben. Ein schönes Fräulein war dabei, mit langen Haaren. Und viele Reiche, die jetzt nichts mehr besaßen, und noch mehr Arme, die jetzt auch nicht das besaßen, was sie gerne hätten haben wollen. Ein alter Mann war freiwillig mitgegangen. Aber auch er war nicht froh, denn siebzig Jahre waren vergangen, ohne dass er das bekommen hatte, was er hatte haben wollen. Schlimm für sie alle!

Als sie an den Fluss kamen, wo die Welt aufhört, saß dort der Hirte. Und als der Tod ihm die Hand auf die Schulter legte, stand er auf, ging mit über den Fluss, als wäre nichts, und die andere Seite hinter dem Fluss war ihm nicht fremd.

Er hatte Zeit genug gehabt, hinüberzuschauen. Er kannte sich hier aus, und die Töne waren noch da, die er immer auf der Flöte gespielt hatte. Er war fröhlich.
Das war schön für ihn.

Was mit den Gänsen geschah?
Ein neuer Hirte kam.

aus „Janosch erzählt Grimms Märchen“

Ohne Dich
ist in meinem Leben
alles halb so leicht
-
nur mein schweres Herz
ist doppelt so schwer

Ingeborg Reimer


Ich bin so lebendig wie Du
und stehe an Deiner Seite.
Schließe Deine Augen
und schaue Dich um
- fühle es -
Du wirst mich vor Dir sehen

Khalil Gibran


Leben ist Bewegung.
Ein anderes Wort dafür
ist „Prozess“.
Das Sterben leben
ist die Geschichte
der Bewegung
Deines Lebens

Stanley Keleman


Du bist nicht tot,
sondern nur untergegangen wie die Sonne.
Wir trauern nicht,
wie über einen, der gestorben ist,
sondern wie über einen,
der sich vor uns verborgen hat.
Nicht unter den Toten suchen wir Dich,
sondern unter den Seligen des Himmels.

Theodoret von Kyros


Ich bin von Dir gegangen
nur für einen Augenblick
und gar nicht weit.
Wenn Du dahin kommst,
wohin ich gegangen bin,
wirst Du Dich fragen,
warum Du geweint hast.

Abschied nehmen heißt,
sich trennen,
einen Teil von sich selbst aufgeben,
etwas dem Wind überlassen,
den Fluten, dem Wasser,
das Sterben lernen,
jeden Tag ein wenig
für das Neue, das bleibt.

Margot Bickel


Menschen treten in unser Leben
und begleiten uns eine Weile.
Einige bleiben für immer,
denn sie hinterlassen ihre
Spuren in unseren Herzen.

An ein fernes Ufer
wird die Seele getragen,
doch unsere Gedanken
finden den Weg dorthin.

Der Tod ist kein Untergang
sondern ein Übergang:
vom Erdenwanderweg
hinein
in die Ewigkeit.

Unsere Toten sind nicht abwesend,
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen
mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Tränen.

Augustinus

Bild 08

Die Sonne geht auf, wie jeden Tag.
Die Zeitung ist da, wie jeden Tag.
Die Tagesschau kommt um acht, wie jeden Tag.
Wie kann das sein?
Nichts ist doch mehr, wie jeden Tag.
Denn du bist nicht mehr da.
C. Auffenberg

 

Raum und Zeit für Gespräche über Trauer und Verlust

„Denn du bist nicht mehr da .....

In der Zeit der Trauer ist es hilfreich Menschen zu treffen, die verstehen was Trauer bedeutet. Diese Möglichkeit bietet das Trauercafé. Hier sind Sie unter sich.

Sie finden Menschen, die zuhören oder denen Sie zuhören können. Sie finden Menschen, die sich gegenseitig mit ihren eigenen Erfahrungen in der Trauer stützen und helfen können. Sie finden Menschen, die sich mit Ihnen auf den Weg machen.

Das Trauercafé ist ein Gesprächsangebot der Hospizbewegung Soest für Menschen nach einem Verlust und findet
von Oktober bis März an jedem 2. und 4. Donnerstag im Monat statt.


Ort: Seminarraum (1.OG) des Mehrgenerationenhauses, Wasserstraße 9 in Bad Sassendorf

Die Termine im Einzelnen:

11. und 25. Oktober 2018
08. und 22. November 2018
13. Dezember 2018
10. und 24. Januar 2019
14. und 28. Februar 2019
14. und 28. März 2019

jeweils 15.30 - 17.00 Uhr